
Die Erkenntnis, wie Gewohnheit und Emotion sich verknüpfen, gibt einem Kollegen aus dem Büro oder einer Freundin, die ständig erreichbar ist, etwas gemeinsamen Kontext.

Wie das Internet unser Gehirn austrickst Handlungsfluss und Kernfakten
Eine neue Studie der Universität Duisburg-Essen beleuchtet, warum es vielen Menschen schwerfällt, vom Smartphone wegzukommen. Obwohl über 80 Prozent der Deutschen ihr Gerät mindestens stündlich checken, wünschen sich mehr als die Hälfte mehr Offline-Zeit. Der soziale und berufliche Erwartungsdruck sowie die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), treiben dieses Verhalten – besonders bei jungen Nutzern zwischen 16 und 30 Jahren. Forscher unter Leitung von Matthias Brand untersuchten 819 Teilnehmer, um die psychologischen Mechanismen hinter der problematischen Internetnutzung zu verstehen.
Die Studie identifiziert drei sich verstärkende Mechanismen: Zunächst nutzen Menschen das Internet, um sich emotional besser zu fühlen oder Stress zu entkommen. Dieser emotionale Rückzug wird dann zur Gewohnheit, die sich automatisiert – unabhängig von Benachrichtigungen. Schließlich entsteht ein innerer Zwang, der das bewusste Abmelden erschwert. Das Verhalten ähnelt nicht klassischer Sucht, sondern einem unbewussten, routinierten Handeln.
Die Forschung zeigt, dass es weniger um das Internet selbst als um die Nutzungsmuster geht – etwa endloses Scrollen, Online-Shopping oder Gaming. Die Ergebnisse helfen, gezielte Präventionsansätze zu entwickeln, die auf emotionale Regulation und Gewohnheitsänderung setzen. Offen bleibt, wie sich diese Muster langfristig verändern lassen, besonders unter hohem sozialem Druck.
Fakten
- Über 80 Prozent der Deutschen prüfen ihr Gerät mindestens stündlich, oft ohne Benachrichtigung.
- Eine Studie der IU Erfurt befragte 2.000 Personen zwischen 16 und 65 Jahren zur digitalen Nutzung.
- Jeder Fünfte gibt an, dass sofortige Nachrichtenbeantwortung im Umfeld erwartet wird.
- Forscher der Uni Duisburg-Essen analysierten 819 Teilnehmer zur problematischen Internetnutzung unter Leitung von Matthias Brand.
- Drei Mechanismen führen zum Kontrollverlust: emotionale Flucht, Gewohnheitsbildung, innerer Zwang.
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