Illustration eines Fadenwurms mit hervorgehobenem Nervensystem und einem markierten Schlaf-Neuron, das über einen Schalter auf Stoffwechsel, Gedächtnis und Alter wirkt.
Illustration eines Fadenwurms mit hervorgehobenem Nervensystem und einem markierten Schlaf-Neuron, das über einen Schalter auf Stoffwechsel, Gedächtnis und Alter wirkt.

Dass ein einziges Neuron so viel steuern kann, gibt einem Kollegen aus der Biologie oder einem interessierten Freund etwas Greifbares, um den Durchbruch gemeinsam zu verstehen.

Ein Hormon nutzt Schlaf als Steuerknopf Handlungsfluss und Kernfakten

Eine neue Studie der TU Dresden zeigt, dass das Hormon Somatostatin nicht direkt in vielen Körperfunktionen eingreift, sondern indirekt über eine zentrale Schaltstelle wirkt: den Schlaf. Anhand des Fadenwurms Caenorhabditis elegans, einem etablierten Modellorganismus mit klarem Nervensystem, fanden Forschende heraus, dass ein einzelnes Neuron den Schlaf aktiviert – und damit gleichzeitig Stoffwechsel, Gedächtnis und Lebensdauer beeinflusst wird.

Das Hormon Somatostatin wirkt wie eine Bremse: Es drosselt Wachstum und Energieverbrauch. Bisher war unklar, wie es so viele unterschiedliche Prozesse regulieren kann. Die Dresdner Studie deutet darauf hin, dass es ein spezifisches Nervensystem im Gehirn des Wurms anspricht, das den Schlafzustand steuert. Wenn dieses aktiviert wird, verändert sich nicht nur das Schlafverhalten, sondern auch die Speicherung von Energie und die Bildung von Erinnerungen.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Schlaf mehr ist als passive Regeneration – er könnte eine aktive Steuerfunktion im Körper übernehmen. Da C. elegans viele grundlegende Mechanismen mit dem Menschen teilt, eröffnen diese Erkenntnisse neue Wege, um altersbedingte Krankheiten oder Stoffwechselstörungen besser zu verstehen. Ob ein ähnliches Prinzip beim Menschen gilt, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Fakten

  • Somatostatin wirkt als Bremse für Wachstum und Energieverbrauch im Körper.
  • Forschende der TU Dresden entdeckten, dass es über ein spezifisches Schlaf-Neuron im Fadenwurm C. elegans wirkt.
  • Die Aktivität dieses Neurons beeinflusst Energiehaushalt, Gedächtnisbildung und Lebensdauer der Tiere.
  • C. elegans besitzt nur 302 Nervenzellen, wird aber oft in der Grundlagenforschung verwendet, da er viele Mechanismen mit dem Menschen teilt.
  • Forschung an C. elegans wurde bereits vier Mal mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, zuletzt 2024.

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