Illustration einer Europäischen Eibe (Taxus baccata) im griechischen Bergland mit chemischer Struktur von Paclitaxel im Hintergrund
Illustration einer Europäischen Eibe (Taxus baccata) im griechischen Bergland mit chemischer Struktur von Paclitaxel im Hintergrund

Die genetische Vielfalt griechischer Eiben gibt einem Kollegen, der Naturstoffforschung verfolgt, neuen Kontext.

Eiben in Griechenland liefern Hoffnung für Krebsmedizin Handlungsfluss und Kernfakten

Eine neue Studie aus Griechenland beleuchtet das Potenzial seltener Eibenbestände für die Herstellung von Paclitaxel, einem seit Jahrzehnten eingesetzten Wirkstoff gegen Brust-, Lungen- und Eierstockkrebs. Wissenschaftler der Aristoteles-Universität Thessaloniki und der Hellenic Agricultural Organization DIMITRA untersuchten die Europäische Eibe (Taxus baccata) in drei Regionen Nordgriechenlands – Chalkidiki, Olymp und Vourinos-Gebirge – und analysierten Nadelproben auf chemische, genetische und epigenetische Merkmale. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Populationen: Die Konzentration von Taxanen, insbesondere des Vorläufers 10-Deacetylbaccatin, variiert je nach Standort und Jahreszeit, wobei Frühjahrswerte besonders hoch liegen.

Die Herstellung von Paclitaxel ist traditionell aufwendig und wenig nachhaltig. Ursprünglich wurde der Wirkstoff aus der Rinde der Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia) gewonnen, was zum Absterben der Bäume führt. Heute stützt sich die Industrie auf Zellkulturen und Halbsynthese, bei der Vorläuferstoffe aus Nadeln gewonnen und chemisch weiterverarbeitet werden. Dennoch bleibt die Produktion ressourcenintensiv. Die Entdeckung genetisch vielfältiger und anpassungsfähiger Eiben in Griechenland könnte zukünftig zur Züchtung ertragreicherer Sorten beitragen.

Experten bewerten die praktische Relevanz jedoch unterschiedlich. Während Naturstoffchemiker Leandros Skaltsounis das Potenzial für eine industrielle Nutzung sieht, betonen andere, wie Professor Thomas Brück von der TU München, dass aktuell vor allem kultivierte chinesische Eiben (Taxus chinensis) verwendet werden. Die Studie liefert daher vor allem Grundlagenwissen. Gleichzeitig entwickelt sich die Krebsmedizin weiter: Zielgerichtete Therapien wie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate oder mRNA-basierte Verfahren könnten die Rolle klassischer Chemotherapeutika wie Paclitaxel langfristig reduzieren.

Fakten

  • Die Studie wurde im März 2026 im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht und analysiert Europäische Eiben (Taxus baccata) in Nordgriechenland.
  • Eiben aus den Regionen Chalkidiki, Olymp und Vourinos-Gebirge zeigen je nach Standort und Jahreszeit stark variierende Konzentrationen von Paclitaxel-Vorstufen wie Deacetylbaccatin.
  • Epigenetische Analysen deuten auf ein hohes Anpassungsvermögen der Bäume an unterschiedliche Umweltbedingungen hin.
  • Die industrielle Herstellung von Paclitaxel basiert heute hauptsächlich auf Zellkulturen und Halbsynthese, nicht auf direkter Extraktion aus wilden Bäumen.
  • Experten wie Leandros Skaltsounis sehen Potenzial für zukünftige Züchtung, während andere wie Thomas Brück die aktuelle industrielle Relevanz als gering einstufen.

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